„Wir stehen eine halbe Stunde draussen und nichts passiert. Kaum sind wir wieder zuhause, macht er in die Wohnung.“
Wenn du einen Welpen hast, kommt dir dieser Satz vielleicht bekannt vor.
Viele Welpenbesitzer machen genau diese Erfahrung und fragen sich irgendwann:
- Warum macht mein Welpe draussen kein Geschäft?
- Warum macht mein Welpe draussen kein Pipi?
- Warum löst sich mein Welpe nur zuhause?
- Mache ich etwas falsch?
Die gute Nachricht vorweg:
Dein Welpe das nicht absichtlich.
Und oft steckt etwas ganz anderes dahinter, als viele Menschen vermuten.
Sich lösen braucht Entspannung
Wenn wir über Stubenreinheit sprechen, denken viele zuerst an Training.
Dabei wird ein wichtiger Punkt oft vergessen:
Sich zu lösen hat viel mit körperlicher Entspannung zu tun.
Dein Welpe muss sich sicher genug fühlen, um loslassen zu können.
Genau deshalb passiert es häufig, dass ein Welpe draussen kein Geschäft macht und sich stattdessen erst zuhause löst.
Denn Zuhause kennt er:
- die Umgebung
- die Gerüche
- die Geräusche
- die Menschen
Dort fühlt er sich sicher.
Draussen sieht die Welt oft ganz anders aus.
Draussen gibt es gerade Wichtigeres
Gerade junge Welpen erleben draussen eine völlig neue Welt.
Da raschelt ein Blatt.
Dort läuft ein Mensch vorbei.
Ein Vogel fliegt auf.
Ein Auto fährt vorbei.
Ein anderer Hund war hier unterwegs.
Für viele Welpen ist das unglaublich spannend.
Während wir darauf warten, dass unser Welpe endlich Pipi macht, ist er oft damit beschäftigt, die Welt zu beobachten.
Er schnüffelt hier.
Schaut dort.
Nimmt ein Holzstück ins Maul.
Untersucht einen Stein.
Und kommt vielleicht gar nicht auf die Idee, sich zu lösen.
Nicht weil er nicht will.
Sondern weil gerade so viele andere Dinge seine Aufmerksamkeit beanspruchen.
Der richtig Pipi-Platz spielt eine grössere Rolle, als viele denken
Ein Fehler, den ich immer wieder sehe:
Der Welpe wird an einen Ort gebracht, an dem unglaublich viel los ist.
Menschen laufen vorbei.
Hunde kommen entgegen.
Kinder spielen.
Autos fahren.
Für uns wirkt das vielleicht normal.
Für einen jungen Welpen kann das jedoch sehr viel sein.
Wenn dein Welpe draussen kein Geschäft macht, lohnt es sich deshalb, einmal den Ort zu hinterfragen.
Vielleicht braucht er keinen anderen Trainingsplan.
Vielleicht braucht er einfach einen ruhigeren Platz.
Bleib möglichst bei einem festen Löseplatz
Gerade in den ersten Wochen kann es hilfreich sein, für die Versäuberung immer wieder denselben Ort aufzusuchen.
Warum?
Weil dein Welpe dort mit der Zeit lernt:
Hier soll und darf ich mich lösen.
Der Platz wird vertraut.
Die Gerüche sind bekannt.
Und dein Welpe muss nicht jedes Mal eine komplett neue Umgebung verarbeiten.
Wenn du mit deinem Welpen spazieren gehen möchtest, gehe deshalb zuerst zu eurem Löseplatz.
Gib ihm dort die Möglichkeit, sich in Ruhe zu lösen.
Erst danach könnt ihr gemeinsam weitergehen und die Welt entdecken.
Das hat gleich mehrere Vorteile:
- Dein Welpe kann sich zunächst auf sein Geschäft konzentrieren.
- Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass er sich draussen löst.
- Du verhinderst, dass er den ganzen Spaziergang damit verbringt, Eindrücke zu sammeln und erst zuhause wieder zur Ruhe kommt.
Besonders praktisch ist das auch nachts.
Wenn du müde bist und eigentlich nur wieder ins Bett möchtest, ist es oft deutlich angenehmer, einen vertrauten Löseplatz anzusteuern, statt mit dem Welpen noch eine grosse Runde zu drehen.
Viele Welpen verstehen durch diese Routine mit der Zeit immer besser, was an diesem Ort von ihnen erwartet wird.
Warum dein Welpe zuhause plötzlich macht
Viele Menschen erleben genau dieselbe Situation:
Sie stehen lange draussen.
Nichts passiert.
Kaum sind sie wieder in der Wohnung, macht der Welpe auf den Teppich.
Das wirkt im ersten Moment frustrierend.
Dabei steckt aber keine Absicht dahinter.
Im Gegenteil.
Zuhause fällt die Anspannung ab.
Der Welpe kommt zur Ruhe.
Und plötzlich kann er sich lösen.
Nicht weil er dich ärgern möchte.
Nicht weil er draussen verstanden hat, was er tun soll und sich bewusst dagegen entscheidet.
Sondern weil es in diesem Moment einfach möglich wird.
Warum Druck selten hilft
Wenn der Welpe draussen kein Geschäft macht, steigt bei vielen Menschen verständlicherweise der Druck.
Dann wird:
- gelockt
- motiviert
- aufgefordert
- oder ständig wiederholt:
„Mach Pipi.“
„Mach doch endlich.“
„Jetzt mach doch.“
Das Problem:
Mehr Druck führt selten zu mehr Entspannung.
Und Entspannung ist genau das, was viele Welpen in dieser Situation eigentlich brauchen.
Deshalb lohnt es sich oft, selbst einen Gang zurückzuschalten und die Situation etwas gelassener zu betrachten.
Stubenreinheit braucht Zeit
In meiner Arbeit mit Welpen erlebe ich immer wieder, dass Menschen grosse Sorge haben, etwas falsch zu machen.
Oft entsteht der Eindruck, ein Welpe müsse direkt ab dem ersten Tag im neuen Zuhause stubenrein sein und jeder Unfall in der Wohnung sei ein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft.
Dabei braucht Stubenreinheit in den allermeisten Fällen vor allem eines:
Zeit.
Zeit, damit sich der Welpe körperlich entwickeln kann.
Zeit, damit er lernt, sich auch draussen sicher genug zu fühlen.
Und Zeit, damit wir Menschen die Signale unseres Welpen immer besser erkennen und rechtzeitig reagieren können.
Ich erinnere mich an einen Welpen und seine Menschen, die ich begleiten durfte. Der Welpe hatte mehrere Wochen gebraucht, bis er sich vor dem Haus lösen konnte.
Zwischendurch landete das grosse Geschäft in der Garage zwischen Wohnung und eigentlichem Löse-Platz.
Natürlich war das nicht ideal.
Die Halter haben daraus jedoch keine Katastrophe gemacht.
Sie haben dem Welpen Zeit gegeben, Verständnis gezeigt und gemeinsam geschaut, was ihm hilft.
Und genau das hat am Ende dazu geführt, dass der Welpe es gelernt hat.
Manchmal ist Geduld der wichtigste Teil des Trainings.
Es gibt nicht den einen Trick
Viele Menschen suchen nach dem einen Tipp, der sofort funktioniert.
Die Wahrheit ist:
Diesen einen Trick gibt es nicht.
Jeder Welpe bringt:
- seine Persönlichkeit
- seine Erfahrungen
- seine Sicherheit
- und sein eigenes Tempo mit
Manche Welpen lösen sich bereits nach wenigen Tagen problemlos draussen.
Andere brauchen deutlich länger.
Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas schiefläuft.
Wann wird es besser?
In der Regel wird es leichter, sobald:
- die Umgebung vertrauter wird
- der Welpe mehr Sicherheit entwickelt
- die Reize draussen weniger überwältigend sind
- und ihr gemeinsame Erfahrungen sammelt
Mit der Zeit wird Draussen immer normaler.
Und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich dein Welpe dort lösen kann.
Fazit: Dein Welpe macht es nicht absichtlich
Wenn dein Welpe draussen kein Geschäft macht und erst zuhause in die Wohnung pinkelt, ist das kein Zeichen von Ungehorsam oder böser Absicht.
Oft steckt etwas ganz anderes dahinter:
- zu viele Reize
- zu wenig körperliche Entspannung
- zu viel Aufmerksamkeit für alles, was rundherum passiert
Versuche deshalb, die Situation nicht als Katastrophe zu sehen.
Weniger Druck.
Mehr Beobachtung.
Und das Vertrauen, dass jeder Welpe seinen eigenen Weg und sein eigenes Tempo hat.
Denn manchmal braucht ein Welpe nicht den nächsten Tipp.
Sondern einfach etwas Zeit, um sich auch draussen sicher genug zu fühlen.

